Wie man auf meinem Blog spammt...

12.7.2026 · 6 Min. Lesezeit

Ich habe hohe Privatsphäre-Standards. Ich finde, es sollte möglich sein, eine Website zu besuchen, ohne dass man dabei seine Daten sämtlich durch die Weltgeschichte verteilt. Und schon gar nicht da, wo es nicht notwendig sein sollte.

Wenn ich mich irgendwo mit Facebook einlogge (also ich nicht, weil das in meiner Generation praktisch keine Bedeutung mehr hat, aber du weißt schon… Social-Login eben), dann ist ja völlig klar, dass Meta irgendwie an meine Daten rankommen muss. Und mir sollte völlig klar sein, dass Meta so viele Daten wie möglich mitnimmt, weil so verdienen die ja ihr Geld.

Oder wenn du eine Nachricht über meine Website abschickst. Dann läuft da ein Captcha, und das schickt Daten an Cloudflare. Zumindest ist deren Geschäftsmodell nicht, dass sie diese Daten verkaufen, sondern die haben auch Enterprise-Pläne für Firmen, die ganz, ganz viele Captchas brauchen. Und je mehr Daten die eben über Bots sammeln, desto besser werden deren Captchas und desto mehr wollen die Firmen an Cloudflare für das Captcha zahlen und so weiter. Also nutze ich lieber Cloudflares Turnstile-Captcha anstelle von Google ReCaptcha. Sollte Cloudflare irgendwann anfangen, Daten an Werbefirmen zu verkaufen, dann überdenke ich das natürlich. Wenn ich kein Captcha hätte, dann würde ich Spam ohne Ende kriegen und müsste mich dann fragen, wie ich dagegen vorgehe. Da ist dieses externe Captcha eben ein recht guter Kompromiss zwischen ist-zu-kompliziert-für-die-User und ist-zu-aufwändig-für-mich. (Nachtrag: Es gibt auch noch Friendly Captcha, einen Captcha-Service aus Deutschland, und damit aus der EU, was mein Patriotenherz höher schlagen lässt. Steht auf meiner Auscheckliste.)

Jetzt aber zum eigentlichen Thema: die Kommentarfunktion auf dieser Seite. Auch da gibt es ein paar Möglichkeiten.

Remark42

Das ist mein Mittelweg. Lässt sich per Docker relativ easy selbst hosten, kriegt regelmäßig Updates und die Community ist zumindest da und nicht tot. Also aufgesetzt, Astro-Modul für die Kommentare gefunden und eingebaut, fertig. Easy. Kommentare für alle.

Ja, aber leider halt auch wirklich für alle. Weil die Default-Einstellung ist, dass jede und jeder ohne Login kommentieren kann. Bisschen doof für eine öffentliche Seite. Also habe ich erst geschaut, ob es eine Kommentarmoderation für Remark42 gibt. Und hier die schlechte Nachricht: Nein, gibt es nicht. Also gar nicht; nicht nur für Kommentare, die anonym gepostet wurden – man kann bei Remark42 einmal abgesendete Kommentare nicht vor der Veröffentlichung überprüfen.

Okay. Damit kann ich leben. Schließlich erlaubt mir das deutsche Recht, in angemessener Zeit zu reagieren, wenn hier irgendjemand Scheiße baut. Dann reagiere ich eben in angemessener Zeit, aber… Wie? Soll ich wirklich jeden Tag auf meiner eigenen Seite vorbeischauen? Bei der letzten Seite hatte ich auch einfach mal vier Monate etwas anderes zu tun.

Also wieder die Dokumentation gecheckt. Es gibt bei Remark42 verschiedene Benachrichtigungsfunktionen. Cool, also lasse ich mir einfach eine Nachricht bei Telegram schicken; ist ja auch toll, wenn sich mal jemand anderes als ein Drogendealer dort bei einem meldet. Aber eigentlich will ich doch gar nicht, dass sich jemand über Telegram bei mir meldet (übrigens auch keine Drogendealerin). Und schon gar nicht, wenn sich wirklich jemand die Arbeit macht, sich hier zum Spammen einen Account anlegt und dann munter einhundert Kommentare dalässt.

Also Plan B: Entweder einen Mailaccount und Benachrichtigungen nur für dieses Kommentarsystem. (Das wäre die einfachste Variante gewesen, aber da habe ich leider erst just in diesem Moment dran gedacht. Kreatives Schreiben mal anders). Also kein Mailaccount, weil die Lösung, die ich jetzt habe, eh viel cooler ist.

n8n regelt: Tägliche Kommentar-Reports mit KI-Funktion

n8n könnte ruhig einen eigenen Platz auf dieser Seite bekommen. Das Automations-Tool hat auf jeden Fall schon einen eigenen Platz in meinem Herzen. Ob jetzt für meine Projekte bei b-foundry, für mein Kandidatenoffice bei Volt oder privat: n8n nimmt mir täglich eine Menge Aufgaben ab, ohne dass die Daten dafür mein eigenes System verlassen. Mittlerweile habe ich sogar einen eigenen KI-Server, auf dem n8n eine lokale KI dazu dirigiert, E-Mails zuzuordnen, daraus ToDo-Listen zu erstellen und mich bei ganz wichtigen Dingen zu benachrichtigen. (Und wen’s interessiert: Das läuft dann natürlich über meinen eigenen Matrix-Homeserver, inklusive Proxyserver mit Bridge nach außen… Ich schweife ab.)

Jetzt gibt es also eine n8n-Webhook. Die kriegt alle meine Kommentare auf diesem Blog ab. Und dann packt sie die in eine Liste. Und einmal pro Tag, also morgens zum entkoffeinierten Kaffee, schickt mir n8n dann eine Mail, falls in der Liste Kommentare drin sind, und leert dann wieder die Liste. So kriege ich also jetzt meine Kommentar-Benachrichtigung und kann in angemessener Zeit reagieren, falls jemand der Meinung ist, meinen Blog als Spielwiese zu missbrauchen.

Mensch. Bei WordPress war das so viel einfacher. Anscheinend gab es doch ganz gute Gründe, warum ich so lange WordPress-first unterwegs war, wenn es um Blogs ging. Wie gut, dass dieses ganze Setup mehr so hypothetischer Natur ist, weil mir hier eh niemand schreibt.

Und wenn du schon immer mal so richtig dummes Zeug im Internet veröffentlichen wolltest: Hier hast du bis zu 24 Stunden, bis ich es lösche. Und dann völlig entnervt Plan C umsetze, mit CrowdSec, Rate-Limiting, KI-Kommentar-Überprüfung und…

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